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Parasympathikus: Schutzmechanismus gegen stressbedingte Gesundheitsgefährdungen und Garant der körperlichen Fitness

Dem Parasympathikus kommen zwei für die menschliche Leistungsfähigkeit und Gesundheit herausragende Rollen zu:

  • die Schaffung von Leistungsreserven und Förderung einer ausreichenden Fitness für eine erfolgreiche Bewältigung von Umweltanforderungen.

Während beim Sympathikus die Leistungserbringung und Energiemobilisierung im Vordergrund stehen, besteht eine zentrale Aufgabe des Parasympathikus in der Energiebereitstellung und Energiespeicherung. Damit ist es der Parasympathikus, der erst die Voraussetzungen dafür schafft, dass der Organismus über eine ausreichende Fitness verfügt, damit der Sympathikus bei anstehenden Belastungen auf ein optimales Energiereservoir zurückgreifen kann, um den Leistungsanforderungen gerecht zu werden. Er schafft also erst das Potential, aus dem der Sympathikus bei Bedarf schöpfen kann. Das bedeutet, dass der Parasympathikus all die Körperprozesse beschleunigt, die der Schaffung von Energiereserven dienen und die Regenerationsfähigkeit und Erholung des Körpers nach Belastungen fördern.

Zu diesen gehören insbesondere die Förderung der Nahrungsaufnahme und Verdauung, der Magensekretion, der Motilität und Peristaltik des Darmes, der Diurese der Nieren sowie die Stimulierung der Insulin- und Gallensekretion und anderer am Verdauungsprozess beteiligten Drüsen.

  • Schutzfunktion gegen stressbedingte Erkrankungen und Gesundheitsgefährdungen infolge chronischer sympathischer Überaktivierung.

Wie in der obigen schematischen Darstellung ausgeführt, ist eine chronische sympathische Überaktivierung mit zahlreichen Erkrankungsrisiken verbunden. In der Vergangenheit ging man davon aus, dass diese Hyperaktivierung des sympathischen Systems der einzig ausschlaggebende Faktor für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko ist. In jüngster Zeit hat sich jedoch aufgrund zahlreicher empirischer Untersuchungen die Auffassung durchgesetzt, dass die pathogenetische Relevanz der sympathischen Überaktivierung in hohem Maße von dem Aktivierungszustand des parasympathischen Systems abhängig ist und dass der Hypoaktivität des Parasympathikus eine weitaus größere Bedeutung für die Krankheitsentstehung und das Erkrankungsrisiko zukommt.

Dies bedeutet einerseits, dass dem Parasympathikus unter normalen Umständen eine absolut zentrale Rolle als Schutzmechanismus bei der Regulation gesundheitsrelevanter Körperprozesse zukommt, andererseits jedoch auch, dass Funktionsstörungen und Beeinträchtigungen der parasympathischen Kontrollmechanismen mit schwerwiegenden Folgen für die menschliche Gesundheit einhergehen.

Woher resultiert die Schutzfunktion des Parasympathikus gegenüber den Auswirkungen einer sympathischen Überaktivierung?

Schauen wir uns exemplarisch das Herz-Kreislaufsystem als häufigste Quelle von Morbidität und Mortalität an, so wird die schützende Wirkung einer effizienten parasympathischen Innervation besonders deutlich. Die wichtigsten Faktoren seien nachfolgend aufgelistet.

  • Verringerung von Herzarbeit und Sauerstoffbedarf des Herzens durch eine Reduzierung der Herzschlaggeschwindigkeit und eine Verringerung der Kontraktionskraft der Herzvorhöfe bei weitgehend unbeeinflusster Leistung der Herzkammern
  • Verringerung des Risikos für letale ventrikuläre Arrythmien durch eine Erhöhung der Erregungsschwelle, Verlangsamung der Erregungsleitung, Verlängerung der Überleitzeit für die elektrische Erregungsübertragung im Herzen (AV-Überleitzeit) und Verlängerung der Erholungszeit der Herzkammern sowie Verkürzung der risikobehafteten QT-Zeit
  • Direkte Hemmung der sympathischen Nervenaktivität über periphere prä- und postsynaptische Interaktionen unabhängig von den parasympathischen Einwirkungen auf den Sinusknoten und die Herzvorhöfe
  • Schutz vor atheromatösen Veränderungen in den Gefäßwänden der Koronararterien (Koronarsklerose) durch Inhibition des Tumor Nekrose Faktors (TNF-Alpha), dem eine pathogenetische Rolle bei der Entstehung von Entzündungsreaktionen und damit einhergehenden kardiovaskulären Erkrankungen zukommt.

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