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Fitnessbeurteilung und Trainingsstatus

In den letzten Jahren wurden weltweit zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, die sich mit der Bedeutung der HRV als Indikator der körperlichen Fitness und des Trainingszustandes von Personen verschiedenster Altersstufen befasst haben.

Dabei werden im Rahmen von Querschnittsuntersuchungen Personen mit einem unterschiedlich hohen Ausmaß an regelmäßiger körperlicher Betätigung im Hinblick auf die Effizienz ihrer autonom-nervösen Regulationsmechanismen miteinander verglichen. Die Ermittlung des körperlichen Aktivitätsniveaus erfolgt in der Regel über standardisierte Fragebögen, die das durchschnittliche wöchentliche Ausmaß sowie die Intensität der körperlichen oder sportlichen Aktivität bei Ausdauerleistungen wie Jogging, Walking, Wandern, Schwimmen, Radfahren usw. ermitteln. Die Erfassung der Zusammenhänge mit der autonom-nervösen Regulationsfähigkeit erfolgt in der Regel anhand von 5-minütigen Messungen der HRV unter Ruhebedingungen.

Mit nur verschwindend wenigen Ausnahmen kommt die weitaus überwiegende Anzahl der einschlägigen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass eine regelmäßige körperliche Betätigung in Form von Ausdauersport und eine damit einhergehende bessere körperliche Fitness mit einer deutlich besseren autonom-nervösen Regulationsfähigkeit einhergehen. Die Auswirkungen zeigen sich insbesondere im Hinblick auf ein höheres parasympathisches Aktivierungsniveau sowie auf ein höheres autonom-nervöses Gesamtregulationsniveau (SDRR, Total Power).

Beides sind, wie zuvor bereits ausführlich aufgezeigt wurde, zentrale Schutzmechanismen des Organismus vor stressbedingten Gesundheitsgefährdungen. Insofern können wir auch davon ausgehen, dass die ebenfalls nachgewiesenen positiven Wirkungen von regelmäßiger sportlicher Betätigung auf die Gesundheit, zum großen Teil über deren Einfluss auf die autonom-nervösen Regulationsprozesse bedingt sind.

Beispielhaft für diese Untersuchungen sei eine Studie der ZNF-Arbeitsgruppe (Wittling, 2009) an einer Gruppe von 140 gesunden Personen aus der Allgemeinbevölkerung erwähnt, die nach dem Ausmaß ihrer regelmäßigen sportlichen Betätigung bei Ausdauersportarten in drei parallelisierte Untergruppen unterteilt wurden:

  • Personen ohne regelmäßige sportliche Betätigung (0 Std/Woche)
  • Personen mit leichter, aber regelmäßiger sportlicher Betätigung (1 – 2 Std/Woche)
  • Personen mit moderater regelmäßiger sportlicher Betätigung (3 – 14 Std/Woche, im Durchschnitt 4.6 Std/Woche).

Die Ergebnisse sind überaus eindeutig und belegen die auch in anderen Untersuchungen gefundenen engen Zusammenhänge zwischen dem Ausmaß regelmäßiger sportlicher Betätigung und der autonom-nervösen Regulationsfähigkeit.

Insbesondere geht ein bewegungsorientierter oder sportlicher Lebensstil mit einer beträchtlichen Steigerung der parasympathischen Regulationsfähigkeit einher.

Wie aus der Abbildung zu sehen ist, besteht ein steiler linearer Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der wöchentlichen sportlichen Betätigung und der Höhe des parasympathischen Aktivierungsniveaus.

Wenn man sich darüber hinaus in einer weiteren Abbildung die bewegungsbedingten Effekte bei den beiden Gruppen mit leichter bzw. mäßiger sportlicher Betätigung im direkten Vergleich zur sportlich untätigen Gruppe anschaut, so werden einige weitere Besonderheiten deutlich:

 

Bereits eine leichte sportliche Betätigung von 1 – 2 Stunden pro Woche führen zu einer deutlich erkennbaren Verbesserung in den autonom-nervösen Regulationsmechanismen im Vergleich zur bewegungsarmen Gruppe

  • Eine moderate sportliche Betätigung von durchschnittlich nur 4.6 Stunden pro Woche geht mit einem dramatischen Anstieg der parasympathischen Aktivierung um knapp 160% gegenüber der sportlich untätigen Gruppe einher
  • Auch das Gesamtniveau der autonom-nervösen Regulationsfähigkeit (TPms²) steigt bei moderater körperlicher Bewegung im Vergleich zur bewegungsarmen Gruppe um annähernd 80% an

Die obigen Ergebnisse zeigen, dass die Dosierung der körperlichen Aktivität durchaus einen Einfluss auf die Höhe der autonom-nervösen Regulationsfähigkeit hat, wobei eine moderate, aber regelmäßige sportliche Betätigung mit einer stärkeren Verbesserung der Regulationsfähigkeit einhergeht, als eine nur geringfügige sportliche Betätigung. Dennoch stellt sich die Frage, ob eine weitere Steigerung der regelmäßigen sportlichen Aktivität mit einer noch weitergehenden Verbesserung des autonomen Regulationsstatus einhergeht, oder ob zu irgendeinem Zeitpunkt ein Plateau erreicht wird.

Mit dieser Frage hat sich insbesondere die Arbeitsgruppe um Buchheit beschäftigt (Buchheit et al., 2004, 2006). Sie untersuchten die Auswirkungen unterschiedlich intensiver Trainingsgewohnheiten (< 2 Std., 4 – 6 Std., >18 Std./Woche) bei 3 Gruppen junger Probanden im Durchschnittsalter von 25 Jahren sowie bei 3 Gruppen von Probanden mittleren Alters (61 Jahre).

In beiden Untersuchungen zeigte sich, dass eine moderate sportliche Betätigung ausreichend ist, um ein optimales parasympathisches Aktivierungsniveau zu erreichen und dass eine übermäßig intensive sportliche Betätigung bei Freizeitsportlern nicht zu weiteren Verbesserungen führt, sondern sogar mit einem Rückgang des parasympathischen Aktivierungsniveaus einhergeht.

Zusammenfassend können wir daher davon ausgehen, dass die Herzratenvariabilität, insbesondere jedoch die parasympathischen Aktivierungsmaße nicht nur valide Indikatoren zur Beurteilung des körperlichen Trainingszustandes einer Person sind, sondern auch Hinweise für eine optimale Planung der Intensität regelmäßig praktizierter sportlicher Aktivitäten im Bereich des Freizeitsports liefern.

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