Anwendung: Stress >>Persönlichkeit & Befindlichkeit

Persönlichkeit und Befindlichkeit

Interindividuelle Variationen der sympathisch-parasympathischen Aktivierungsverhältnisse haben nicht nur unmittelbare Auswirkungen auf die Stressreaktivität, sondern beeinflussen diese auch indirekt über ihren Zusammenhang zu Persönlichkeits- und Befindlichkeitsmerkmalen.

In den Untersuchungen der ZNF-Arbeitsgruppe an gesunden Probanden erwiesen sich die Gesamtstärke des autonomen Regulationsniveaus (gemessen über SDRR oder Total Power, TP) oder eine Kombination von simultan hoher sympathischer (LFms²) und parasympathischer (HFms²) Aktivierung als die Variablen, die mit Abstand den engsten Zusammenhang zu den untersuchten Persönlichkeitsmerkmalen aufwiesen (Schweiger et al., 1998; Genzel et al., 1998).

Individuen mit hohen Werten in diesen Variablen, also einer hohen HRV, unterschieden sich in den nachstehenden Merkmalen deutlich von Individuen mit schwächer ausgeprägtem autonomem Regulationsniveau, und zwar unabhängig vom Alter:

  • Sie gaben eine deutlich stärker ausgeprägte positive Grundstimmung und Lebenszufriedenheit im Befindlichkeitsfragebogen an
  • Sie bezeichneten sich als stärker sozial orientiert, zeigten weniger soziale Zurückgezogenheit und eine höhere Empathie
  • Sie zeigten eine geringere Tendenz zur Unterdrückung von Gefühlen sowohl positiver wie auch negativer Art
  • Sie zeigten eine höhere Leistungsorientiertheit, und zwar unabhängig davon, welche Personengruppe untersucht wurde (Studenten, Angestellte, Psychosomatik-Patienten)

Wurde zusätzlich zur autonomen Gesamtaktivierung noch das relative Stärkeverhältnis zwischen sympathischer und parasympathischer Aktivierung (LF/HF) herangezogen, so zeigte sich, dass diese Effekte zum größeren Teil auf eine etwas stärker ausgeprägte sympathische Aktivierung zurückgingen.

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass bei klinisch bedeutsamen Angststörungen (Posttraumatische Stressstörungen, Panikstörungen, generalisierte Angststörungen) nach der Mehrzahl der vorliegenden Untersuchungsbefunde einer kardio-vagalen Hypoaktivierung offensichtlich eine entscheidende Rolle zukommt (vgl. Review von Friedman, 2007).

 

Zurück