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Trainingsplanung und Kontrolle

Wenn man, wie in den vorangegangenen Rubriken gezeigt, davon ausgehen kann, dass eine bewegungsorientierte Lebensweise zuverlässig mit deutlichen Verbesserungen der autonom-nervösen Regulationsmechanismen und damit der körperlichen Fitness einhergeht, sollte man annehmen, dass auch systematische Trainingsprogramme zu vergleichbaren Ergebnissen führen.

Im Gegensatz zu den zuvor erwähnten Studien, sind Studien, die die Wirksamkeit von Trainingsprogrammen erforschen, in der Regel Längsschnittstudien, bei denen die gleichen Probanden mehrmals untersucht werden, und zwar zumeist vor und nach dem Trainingsprogramm (Trainingsgruppe) bzw. vor und nach einer vergleichbaren Zeitspanne ohne spezifisches Training (Kontrollgruppe).

Die große Mehrzahl der veröffentlichten Studien stimmt darin überein, dass sich bereits durch ein Training von wenigen Wochen Dauer eine deutliche Steigerung der autonom-nervösen Regulationsfähigkeit, insbesondere aber des für die körperliche Fitness besonders bedeutsamen parasympathischen Aktivierungsniveaus, erreichen lässt. Dies lässt sich sowohl in Einzelfallstudien wie auch in systematischen Gruppenuntersuchungen nachweisen.

Die nachstehende Abbildung zeigt das Ergebnis einer Einzelfallstudie, bei der ein 65-jähriger Proband einem 6-wöchigen Ausdauertraining (walking) unterzogen wurde. Die Abbildung zeigt, dass die Trainingsdauer ausreichend war, um zu einer beträchtlichen Verbesserung des autonom-nervösen Gesamtstatus (SDRR) sowie zu einer Verschiebung der sympatho-vagalen Balance in Richtung einer verbesserten parasympathischen Aktivierung zu führen.

Ähnliche Effekte lassen sich auch in systematischen Gruppenuntersuchungen nachweisen.

So untersuchte die ZNF-Arbeitsgruppe (Herbert, 2000) die Auswirkungen eines nur 14-tägigen Ausdauertrainings auf eine Reihe kardiovaskulärer Funktionen einschließlich der Herzratenvariabilität. Eine bemerkenswerte Besonderheit dieser Studie war, dass das Training zu einem Zeitpunkt erfolgte, zu dem die Probanden einer besonders großen psychischen Belastung ausgesetzt waren, nämlich unmittelbar vor einer belastenden wichtigen akademischen Prüfung (Vordiplom). Während eine Studentengruppe als Kontrollgruppe diente, die kein Training erhielt, erhielt die zweite Gruppe (Trainingsgruppe) ein 14-tägiges Lauftraining im Freien von jeweils 30 Minuten pro Tag.

 

Wie die Abbildung zeigt, äußerte sich der Effekt des Trainings in einem deutlichen und signifikanten Anstieg der HRV-Gesamtvariabilität (TPms²) um 35% und in einem noch höheren Anstieg des parasympathischen Aktivierungsniveaus (HFms²) um 49% im Vergleich zur Situation vor Trainingsbeginn.

Zusätzliche positive Wirkungen des Ausdauertrainings zeigten sich auch in einer Verkürzung der risikobehafteten QTc-Zeit, einer verbesserten Auswurfleistung des Herzens (mean systolic ejection rate) und einer Senkung des systolischen Blutdrucks. Als weiterer Nebeneffekt kam es bei der Trainingsgruppe auch zu einer Verbesserung der subjektiven Befindlichkeit und zu einem Rückgang der subjektiven Anspannung, ungeachtet des näher rückenden Prüfungstermins.

Im Vergleich dazu kam es bei der Kontrollgruppe sogar zu einem deutlichen Rückgang der HRV-Gesamtvariabilität und der parasympathischen Aktivierung um 25 – 30%. Diese Rückgänge waren, wie anhand der Befindlichkeitsfragebögen ersehen werden konnte, durch die zunehmende Anspannung und antizipierte Belastung der ständig näher rückenden Prüfungssituation bedingt.

Die obigen Befunde finden auch unabhängig vom Alter der untersuchten Personen (z.B. Levy et al., 1998) Bestätigung in den Untersuchungen anderer Autoren, wie etwa eine Meta-Analyse von Sandercock et al. (2005) oder ein Review von Buch et al. (2011) belegen.

Wesentlicher als die Dauer des Trainings ist offensichtlich die Intensität der Trainingsbelastung, wobei eine zu geringe Belastungsintensität nicht mit bedeutsamen Verbesserungen der autonomen Regulationsfähigkeit einhergeht (Earnest et a., 2008; Okazaki et al., 2005), wohingegen auch kurze Trainingszeiten durchaus bedeutsame Veränderungen bewirken.

Neben den oben erwähnten Untersuchungen, die überwiegend an Personen aus der Allgemeinbevölkerung bzw. Freizeitsportlern durchgeführt wurden, existieren in der Zwischenzeit auch zahlreiche Untersuchungen an Hochleistungssportlern, in denen die Bedeutung der HRV-Analyse für die optimale Wettkampfvorbereitung sowie die Rolle autonom-nervöser Regulationsmechanismen bei der Erbringung von Hochleistungen untersucht wurden. Studien hierzu wurden etwa durchgeführt bei Radrennfahrern während der Spanienrundfahrt Vuelta (Earnest et a., 2004), in Trainingscamps von Eliteschwimmern (Atlaoui et al., 2007) oder bei dem gesamten italienischen Junioren Nationalteam der Ruderer bei ihren Trainingsvorbereitungen vor der Ruderweltmeisterschaft (Iellamo et al., 2002).

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